Jugendhilfe Bottrop e.V.
 

Fachkräfte


Die Identitätsarbeit kennt keine Pause - Jugendliche während Corona

In der Pubertät und weit darüber hinaus stehen Entwicklungsaufgaben an, die in allen Bereichen des Lebens einerseits auf (körperliche und soziale) Veränderungen reagieren, andererseits eine aktive Gestaltung erfordern: Elternhaus, Schule, Freundeskreis Freizeitverhalten usw.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Gleichaltrigengruppe. Hier werden im Miteinander (in mancher Hinsicht auch Gegeneinander) neue Selbstkonzepte ausprobiert und - so sie sich bewähren - beibehalten bzw. modifiziert. Das braucht oft mehr Zeit, als man im Blick auf die eigene Jugend in Erinnerung hat, kennt aber gleichwohl keine „Pause“. Auch scheinbar ruhige Abschnitte gehören mit zum Lernprogramm der teilweise vollständig neu zu findenden seelischen Rahmenbedingungen des eigenen Lebens, im komplexen Beziehungsgeflecht in dem Jugendliche und junge Erwachsene aktiv eingebunden sind.

Dabei ist die Bedeutung des Konsums von „psycho-aktiven Substanzen“, also Drogen wie Alkohol oder Cannabis, nicht zu unterschätzen. Deren Gebrauch ist ein zentrales Gestaltungselement beim Arbeiten an den Entwicklungsaufgaben. Der funktionale Gebrauch steht im Vordergrund: Das Erlernen eines integrierten, dem Alltag dienenden Gebrauch dieser Substanzen ist nur eine Funktion des teilweise riskanten Konsums. Die dysfunktionalen, unangenehmen Potentiale müssen genauso wie die angenehmen, funktionalen Potentiale des Substanzgebrauchs selbst erlebt und reflektiert werden. Ein theoretisches, abstraktes Wissen kann dieses eigene Erleben (allein und mit anderen) nur flankieren, in den seltensten Fällen aber vorwegnehmen oder gar ersetzen.

Diese Funktionalität zu verstehen und im Umgang mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu berücksichtigen ist eine zentrale Anforderung und nicht selten auch Provokation für die, die sie - egal in welchem pädagogischen Feld - begleiten.

In Zeiten von Covid-19 sind die Möglichkeiten zur Bearbeitung der Identität eingeschränkt. Die soziale Peer-Group kann nur noch schriftlich über Messanger oder in Videotelefonaten genutzt werden. Die gemeinsamen positiven und abenteurlichen bzw. riskanten Erfahrungen werden durch die aktuelle Situaiton beeinflusst. Grenzen wahrnehmen und austesten beschränken sich auf den fahrlässigen Umgang mit dem Virus und den dazugehörigen Regeln.

Die Kontaktregeln sorgen zusätzlich dazu, dass Heranwachsende sich mehr im Haushalt der Eltern und Erziehungsberechtigten aufhalten. Dadurch entstehen Spannungen und die Auseinandersetzung mit der eignenen Lebensgestaltung und der Lebensgestaltung des nahen Umfelds werden präsenter und häufig auch extremer.

Auf einander Acht geben und gegenseitig Rücksicht nehmen sind daher mehr als zuvor gefragt.

 

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Wir sind erreichbar

  • Wie kann ich / können wir im Rahmen unserer eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten weiterhin vorbeugend wirksam sein?
  • Welcher Umgang mit dem Gebrauch (illegaler) Substanzen aber auch der Mediennutzung ist fachlich angemessen?
  • Wie sind Informationen über (illegale) Drogen, ihren Konsum und Risiken für uns und unsere Jugendlichen erreichbar?

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