Jugendhilfe Bottrop e.V.
 

Filme

 

Bella Mia

Deutschland 2008, 25 Min. FSK o.A.
Regie/Produktion: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
Spielfilm
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat vor kurzem Schulen der Sekundarstufe II umfangreiches Präventionsmaterial zur Verfügung gestellt. Unter den Titeln "Bella Mia! - Klar kommen! - Umgang mit Suchtmitteln" vereinen sich ein Video-Film, mit umfangreichem Datenteil, ein Unterrichtskonzept, ein Infoblatt für Schüler und ein Plakat zu   einem miteinander verknüpften "Präventionspaket", das auch im Internet   präsent ist (www.jwsl.de).
Thema des Films ist der verantwortungsvolle Umgang mit Alkohol. Im Unterrichtskonzept werden aus der Perspektive der Neuen Lernkultur und dem präventiven Modell der Ressourcenkommunikation Unterrichtsvarianten entwickelt. Nach   gemeinsamer Ansicht des Films ist damit die Erarbeitung bewusster Verhaltensmodifikationen möglich.
Das Material hält einer fachlichen Prüfung nicht stand und ist für den Einsatz im Unterricht nicht geeignet.
Der Grund liegt vor allem in dem 25-minütigen Film "Bella Mia!", der ja das zentrale Medium darstellt. Von den vielen Mängeln seien nur die wesentlichen erwähnt. Die Handlung spielt auf dem Land (die Protagonistin ist Auszubildende in einem Weinberg) und ist dramaturgisch sehr zugespitzt gestaltet. Die Dialoge sind hölzern und alle anderen Motive, außer denen Alkohol zu trinken oder nicht, sind kaum nachzuvollziehen. Die handelnden Personen sind in weiten Teilen unglaubwürdig angelegt und gespielt. Der Film wird mit Sicherheit keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema und der Problematik ermöglichen. Die Unterrichtsvorschläge und das Infoblatt sind ohne den Einsatz des Films nicht zu verwenden. Das Infoblatt besteht zudem primär aus einem Preisausschreiben, an dem dann die ganze Schule teilnehmen müsste.
Leider verbergen sich hinter vielen solcher Offerten immer wieder untaugliche Materialien, insbesondere Filme. Der Fachstelle für Prävention (Infothek) liegen aber hinreichend geeignete Medien vor, die für dieses oder andere Themen im Unterricht verwendet werden können. Bei Bedarf stehen wir für Auskünfte gerne zur Verfügung.

Rhythm is it!

Deutschland 2004, 104 Min. FSK o.A.
Regie: Thomas Grube; Enrique Sánchez Lansch.
Musik: Igor Strawinski; Karim-Sebastian Elias.
Dokumentarfilm
Der Dirigent Simon Rattle forcierte zusammen mit den Berliner Philharmonikern das Projekt Zukunft@Bphil, um Schwellen gegenüber klassischer Musik abzubauen und die kreative Auseinandersetzung mit ihr zu fördern. Im Jahr 2003 sollten in diesem Rahmen mit Strawinskis Musik "Le Sacre du printemps" das Tanztheater an die Schulen gebracht werden. 239 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren wurden aus fünf  Berliner Schulen ausgewählt. Alle hatten bislang weder mit klassischer Musik noch mit Tanztheater Kontakt. Schon bald - trotz einiger herber Rückschläge - weicht das Desinteresse der Gruppe, deren Mehrheit wohl nur eine schöne, unterrichtsfreie Zeit suchte. Es ist ein lebendiger Organismus entstanden, der dem Ziel der öffentlichen Aufführung entgegenarbeitet und -fiebert.
Der Film verfolgt diesen unglaublichen Prozess der Entstehung eines Kunstwerkes mit einer dezenten Kamera, die den Zuschauer in das Geschehen hineinzieht. Ein mitreißender Dokumentarfilm über die Magie der Musik und Jugendliche, die Feuer gefangen haben.

Romeo und Julia

USA 1996, 120 Min. FSK ab 16
Regie: Baz Luhrmann
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Claire Danes, Paul Sorvino, Brian Dennehy

Bandenkriege, jugendliche Gewalt (genauer die der jungen Männer untereinander), die Unmöglichkeit Liebender, sich über Geschlechterdifferenzen hinweg zu verständigen...
Nicht erst seit James Dean ist diese spezielle männliche Sicht des Erwachsenwerdens Thema der darstellenden Kunst. Die filmische Interpretation der bekannten Tragödie W. Shakespeares unterstellt eine Verwandtschaft zu diesen Themen und versetzt - wie die West Side Story in den 60er Jahren - den Text, diesmal unbearbeitet, in eine Welt der Musikvideos und dem Lebensgefühl einer Jugend am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts.

Das - und natürlich der Hauptdarsteller - ist nicht nur eine Hollywood-Strategie, die Massen an die Kassen lockt. Es kommt dabei tatsächlich auch ein Film heraus, der irritierend zwischen altem Text und neuen Bildern einen jungen Mann zeigt, der an den Anforderungen seiner Männlichkeit zerbricht. Einen besonderen Reiz bietet die Originalfassung in englischer Sprache.

Cinema Paradiso

Italien/Frankreich 1988, 125 Min., FSK ab 12
Regie: Guiseppe Tornatore
Darsteller: Salvatore Cascio, Jaques Perrin, Phillip Noiret.

Durch den Tod des ehemaligen Filmvorführers Alfredo wird der 50-jährige sizilianische Regisseur Salvatore noch einmal mit seiner Kindheit und Jugend konfrontiert. Wie ein Film laufen die Erinnerungen vor seinem geistigen Auge ab, als er in seinem Heimatort das Abenteuer Kino entdeckt. Eine Liebeserklärung an das Kino und das Filmpublikum. Insbesondere wie sehr sich Alt und Jung davon gefangen nehmen lassen und Kindheit und Jugend von den Irrealitäten des Films geprägt werden.

Der Krieg der Knöpfe

Frankreich 1961, 92 Min. s/w, FSK ab 6
Regie: Yves Robert
Darsteller: Pierre Traubaud, Jean Richard, M. Galabru

Schon seit Generationen sind die Kinder von Longverne und Velrans miteinander verfeindet. Sobald einer der Jungen der gegnerischen Bande in die Hände fällt, werden seine Hosenknöpfe, Schnürsenkel und Hosenträger abgeschnitten. Der Kleinkrieg der Kinder eskaliert, als die beiden Anführer ins Internat kommen. Ein Stück wildes, leidenschaftliches Leben der Jungen wird sarkastisch dem Provinzmilieu entgegengesetzt.Gerade weil man dem Film ansieht, dass er vor mehr als 40 Jahren gedreht wurde, bleibt die Botschaft, dass Freunde zusammenhalten, zeitlos.

Ganz oder gar nicht

GB 1997, 90 Min., FSK ab 14
Regie: Peter Cataneo
Darsteller: Robert Carlyle, Tom Wilkinson, Mark Addy, Lesley Sharp.

Eine Hand voll arbeitsloser Stahlarbeiter in Mittelengland kommt auf die Idee, mit einer unkonventionellen Strip-Show ihre immer leerer werdenden Taschen mit leicht verdientem Geld aufzufüllen. Doch vor dem Erfolg liegen nicht nur Training und choreografische Übungen, sondern auch das Erschrecken darüber, dass die zahlenden Zuschauerinnen genau so   abschätzig mit den Körpern der Stripper umgehen könnten, wie es umgekehrt üblich ist. Eine warmherzige und nuancenreiche Komödie, die ihren Witz aus den Widersprüchen nimmt, in denen die dargestellten Männer leben. So werden nicht nur männliche Rollenerwartungen auf die Schippe genommen, sondern auch die durch die soziale Situation entstehenden Zwänge ernst genommen. Preisgekrönter, sehr gelungener Unterhaltungsfilm mit Tiefgang.

Die Truman Show

USA 1998, 103 Min., FSK ab 12
Regie: Peter Weir
Darsteller: Jim Carrey, Laura Linney, Noah Emmerich, Holland Taylor, Ed Harris

Das Leben des Versicherungsagenten Truman Burbank ist ohne dessen Wissen seit 30 Jahren Gegenstand einer weltweit live übertragenen, äußerst erfolgreichen Seifenoper. Er ist scheinbar jeder Alternative beraubt. Und doch wagt er den Weg ins Unbekannte und Ungewisse. Gute Zeiten - Schlechte Zeiten hinter die Kulissen geblickt. Was ist Schein, was Realität? Eher heiter und ausgelassen beginnend wird eine nachdenkliche Satire daraus.

Rumble Fish

USA 1983, 90 Min. s/w, FSK ab 12
Regie: Francis Ford Coppola
Darsteller: Mickey Rourke, Matt Dillon, Dennis Hopper

Die bewegende Geschichte zweier Brüder, die - emotional verlassen von ihrem Vater - den Anschluss an eine Jugendgang  suchen. Dabei hat der Ältere in der Vergangenheit die Leitung der Gang   übernommen, nun aber der Gewalt abgeschworen. Der jüngere Bruder eifert  ihm nach, doch letztlich kommen beide mit dem Leben nicht zurecht. Das Schicksal des rumble fish, der gegen sein eigenes Spiegelbild kämpft, wenn er nicht in der Freiheit des Meeres leben kann. In beeindruckenden schwarz/weiß Bildern - lediglich der rumble fish wird in Farbe gezeigt - gelingt F. F. Coppola eine realitätsnahe und fast zeitlose Darstellung des Lebensgefühls männlicher Jugendlicher. Spannungsreich holt den Zuschauer die Bedrohung und Sehnsucht des Lebens durch Gewalt und Freiheit im Amerika der 80er Jahre ein. Die filmische Brillanz geht mit einem ruhigen Schnitt und langen Einstellungen daher, die in Verbindung mit der Farblosigkeit manchen videoclipgewöhnten Jugendlichen langweilig ist.

Thelma und Luise

USA 1991, 129 Min., FSK ab 16
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Susan Sarandon, Geena Davis, Harvey Keitel, Michael Madson

Zwei Freundinnen, eine Hausfrau und eine Serviererin, wollen ein Wochenende ohne Männer verbringen, geraten aber bei diesem Versuch, ihre Freiheit zu finden, in unvorhergesehene Probleme. Schließlich werden sie vom FBI  gejagt. Doch sie streben kompromisslos ihre Freiheit an und emanzipieren sich so von der Männerwelt. Eine mit viel Enthusiasmus für ihre Figuren durchsetzte schwarze Komödie, das erste weibliche Roadmovie. Ein unterhaltsamer Film, der gleichwohl die Sehnsucht des Zuschauers nach Freiheit erfasst.

Trainspotting - Neue Helden

GB 1995, 93 Min., FSK ab 16
Regie: Danny Boyle
Darsteller: Ewan McGragor, Jonny Lee Miller, Kevin McKidd, Robert Carlyle.

Eine Clique schottischer Jugendlicher meint, sich aus der Normalität verabschiedet zu haben. Ihr Mittel dazu: Heroin.

"Wenn du an der Nadel hängst, hast du nur eine Sorge: Wo kriegst du den Stoff  her? Und wenn du davon runter bist, musst du dir plötzlich über allen möglichen Scheiß Gedanken machen, ... wie du Essen oder deine Rechnungen bezahlst, ... und um zwischenmenschliche Beziehungen und das ganze  Zeug..."

Ungeschminkt und doch voller Einfühlungsvermögen für jugendliche Lebenswelten beschreibt schon das gleichnamige Buch von Irvine Welsh die Wirklichkeit der Heroinabhängigkeit. Zusätzlich gewürzt durch Punk-Musik (u.a. Iggy Pop) und ungewöhnliche filmische Mittel wird im Kino eine bittere Groteske daraus. Die ganze Widersprüchlichkeit und Komplexität einer Lebenssituation wird deutlich, in der Menschen gierig sind nach Leben und dennoch scheinbar lustvoll dem Tod entgegenschlittern.

Kurz und schmerzlos

Deutschland 1998, 100 Min., FSK ab 16
Regie: Fatih Akin
Darsteller: Mehmet Kurtulus, Aleksander Jovanovic, Adam Bousdoukos, Regula Grauwiller.

Gabriel möchte nach seinem Gefängnisaufenthalt endlich erwachsen werden und steigt in das Taxiunternehmen seines Bruders ein. Doch seine besten Freunde, der Grieche Costa und der Serbe Bobby, bringen ihn immer wieder in Schwierigkeiten. Der Regisseur hat seine Jugend in einer auf Gedeih und Verderb aneinander geschweißten Freundesclique im Hamburger Stadtteil Altona in einen packenden Krimi gepackt. Ein deutscher Gangsterfilm, der eher nebenbei Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens umspannt.

Dealer

Deutschland 1998, 74 Min., FSK ab 12
Regie: Thomas Arslan
Darsteller: Tamer Yigit, Idil Üner, Birol Ünel, Lea Stefanel, Baki Davrak

Ein junger Türke, der seinen Lebensunterhalt als kleiner Drogenhändler in Berlin verdient, ist außer Stande sich aus seinem kriminellen Umfeld zu lösen. Immer wieder träumt er von einer anderen Realität und beginnt eine normale Arbeit, Beziehungen und Vaterschaft. Doch zum Ende droht ihm die Abschiebung und verbittert stellt er fest:

"Seltsam wie sich alles verändert."

Diese Fiktion, dieser Traum dieses Jugendlichen kann in erdrückender Weise nicht Wirklichkeit werden. Nicht allein die eisige (Um-)Welt, die der Film zeigt, sondern auch die ihr ausgesetzten Sorgen, Probleme, Sehnsüchte und Empfindungen drängen unabhängig von kulturellen Bindungen in eine andere Richtung.